Auf Einladung der Europa-Union Osterholz sprach der ehemalige Dozent vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben Harald Burghardt vor über 20 Zuhörerinnen und Zuhörern über die europäische Sicherheitslage und die Zukunft des transatlantischen Bündnisses.
Burghardt zeichnete ein kritisches Bild der aktuellen Entwicklung in den USA. Die sicherheitspolitische Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump sei aus seiner Sicht fraglich. Die NATO erscheine zunehmend instabil, und Europa müsse sich darauf einstellen, im Ernstfall stärker für die eigene Sicherheit zu sorgen.
Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verwies Burghardt auf die europäischen Pläne zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit. Unter dem Motto „ReArm Europe“ entstünden Konzepte für eine eigenständigere europäische Verteidigung. Dies sei zwar schmerzhaft für viele Pazifisten, aber notwendig, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.
Diese Abhängigkeit betreffe nicht nur Waffen und Truppen, sondern auch Technologie und Software. Europa habe wichtige Entwicklungen zu lange versäumt und stehe nun unter erheblichem Handlungsdruck.
Burghardt forderte mehr europäische Handlungsfähigkeit und eine Reform der EU-Entscheidungsprozesse. Das Einstimmigkeitsprinzip verhindere oft notwendige Entscheidungen. Europa müsse sich als eigenständiger Werte- und Sicherheitsraum neu definieren, um international ernst genommen zu werden.
Zugleich warnte er vor einer politischen Zersplitterung Europas und vor einem möglichen „Vasallenstatus“ gegenüber den USA. Demokratie, Freiheit und Vielfalt seien zentrale europäische Werte, die gerade in schwierigen Zeiten verteidigt werden müssten.
Sein Fazit: Sollte Europa den USA dauerhaft folgen, statt eigene Perspektiven zu entwickeln, hätten Trump und seine europäischen Unterstützer ihr Ziel erreicht. Für einen liberalen, demokratischen Rechtsstaat sei dies keine erstrebenswerte Zukunft.